Remote-Consulting: Über fokussiertes Arbeiten und miteinander zu lachen

Fokussiertes Arbeiten und lachen online Lesedauer 3 Minuten
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Gespräche zum Kennenlernen, Beratung und interne Audits – alles ist in einer Remote-Session möglich. Lockeres Plaudern und Lachen geht genauso gut. Meine intensiven Erfahrungen der letzten Monate fasse ich zusammen.

Eines kann ich schon vorwegnehmen: Ich freue mich darauf, Menschen zu begegnen – online und offline.

Denn das eine schließt das andere niemals aus. Die Kombination von beiden Möglichkeiten empfinde ich als Bereicherung.

Kennenlernen und ins Gespräch kommen

Sie kennen das sicherlich auch: Sie haben einen Geschäftstermin und begegnen Ihren Gesprächspartnern nach mehreren E-Mails und Telefonaten endlich persönlich. Am Anfang stehen die Gesten der Gastfreundschaft und das lockere Gespräch. Der Übergang in das geschäftliche Thema ist nahezu fließend, schließlich hat man sich schon vorher ausgetauscht und kann daran anknüpfen. Das Gespräch fließt und ist kurzweilig.

Diese Phase des Gesprächs war in den letzten Monaten bei Remote-Sitzungen oft ein wenig holprig, sowohl von meiner Seite als auch auf Seiten der Gesprächspartner. Vielleicht saßen Glaubenssätze von uns allen zu tief:

  • Ich muss einem Menschen gegenüber sitzen.
  • Der Handschlag ist der Beginn des persönlichen Kontakts.
  • Technik stört.

Weg mit den Hürden

Ich sitze Menschen gegenüber, manchmal sogar mehreren. Ja, es ist anders miteinander in einem Raum zu sitzen, aber es ist nicht schlecht sich an Monitoren gegenüber zu sitzen. Tatsächlich nehme ich lieber an einem Video-Meeting teil als ein langes Telefonat zu führen. So kann ich die Menschen sehen und auch ihre Mimik wahrnehmen.

Der Handschlag steckt tief in mir drin und es ist bei persönlichen Begegnungen wirklich Konzentration notwendig, dem Reflex nicht nachzugeben. Dennoch „passiert es“ – aber es gibt Seife und Desinfektionsmittel für den Notfall. Da ist ein Online-Meeting schon eine Erleichterung. Mittlerweile winke ich nicht nur vor der Kamera, sondern auch bei persönlichen Treffen.

Technik stört nicht, sie ermöglicht. In den letzten Wochen beschlich mich des Öfteren ein Gedanke: Was wäre eigentlich gewesen, wenn uns die Pandemie vor zehn oder 15 Jahren erwischt hätte? Es hätte noch schlimmere Auswirkungen auf die Wirtschaft gehabt: kontaktlose Zahlung – okay, aber Online-Meetings? 2011 habe ich die ersten Webinare gegeben und musste zuerst das Wort erklären. Bei allen Schwächen der digitalen Infrastruktur, die ich nicht schönreden will, denke ich, viele Bereiche der Wirtschaft sind noch ganz gut zurecht gekommen. Besser ist immer möglich.

Lachen ist erlaubt

Aus den Gesten der Gastfreundschaft sind Worte der Gastfreundschaft geworden. Der Dank für die Einladung oder technische Unterstützung im Vorfeld ist mittlerweile der Auftakt. Mit der Übung und dem vertrauteren Umgang mit der Technik ist auch das Lachen zurückgekommen.

Meine heutigen Online-Meetings sind mit denen der Vergangenheit nicht mehr zu vergleichen. Sie sind deutlich entspannter geworden. Der Fokus auf die Technik und die damit empfundene Sachlichkeit war dominant. Das Gespräch musste zügig beendet werden bevor das Damoklesschwert „die Leitung bricht zusammen“ nieder schweben konnte. Ich warte noch darauf, dass es tatsächlich passiert. Es war eine Kopfgeschichte. Wenn heute die Leitung unsicher wird, wird dies zur Kenntnis genommen. Abbrüche sind nervig, Störungen im gemeinsam genutzten Meetingraum aber auch.

Zwei Stunden oder ein Tag

Tageseinsätze sind in der Beraterbranche üblich. Ganztags nehme ich online nur interne Audits wahr, da der häufige Wechsel von Gesprächspartnern den Tag auflockert. Online-Meetings möchte ich tatsächlich nicht über acht Stunden führen. Halbe Tage mit Pausen sind ein vertretbarer Konsens. Noch besser sind fokussierte zweistündige Sitzungen.

In zwei Stunden lässt sich ein Thema hervorragend in einer angemessenen Tiefe besprechen. Meine Gesprächspartner haben davor und danach noch Zeit, sich anderen Dingen zu widmen anstatt für einen ganzen Tag blockiert zu sein. Das scheint den Kopf frei zu machen. Dann bewahrheitet sich der Volksmund, der uns bei Entscheidungen und anderen großen Themen empfiehlt „eine Nacht darüber zu schlafen“.

Ein bis zwei kurze Sitzungen pro Woche, verteilt über einen Monat oder auch längeren Zeitraum, bringen sehr gute Ergebnisse. Es fällt leichter, nachdem darüber geschlafen wurde, das Ergebnis einer zweistündigen Sitzung zu modifizieren als das eines ganzen Tages.

Mehr machen

Zwischen den kurzen Sitzungen liegen keine Pausen, sondern Phasen der Umsetzung. Das fokussierte Gespräch macht Lust auf ausprobieren und umsetzen. Die Menge der besprochenen Lösungsansätze ist überschaubar, bleibt im Gedächtnis und wird stärker reflektiert. Das Gespräch der „übergeordneten Zusammenhänge“ ergibt sich dann von ganz alleine.

Wo klemmt es online?

Eine stabile Leitung ist in der Tat hilfreich. Oftmals liegt es jedoch noch nicht mal an der Leitung, sondern an der genutzten Plattform. Nicht jede ist für eine ausdauernde Performance eines Online-Meetings geeignet. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Zoom und MS Teams. Weitere Plattformen sind mit Sicherheit gut, jedoch habe ich nicht mit allen praktische Erfahrungen.

Es klemmt gelegentlich in der Tonqualität. Meine Hardware habe ich entsprechend angepasst, so dass kein Rauschen in den Lautsprechern mich in den Wahnsinn treibt. Ein solides Mikro/Headset gegenüber sorgt für guten Ton. Das Sprechtempo passt sich von ganz alleine an. Auch als Rheinländerin habe ich gelernt, dass „dazwischen quatschen“ online nicht zielführend ist. Ich halte das für einen persönlichen Fortschritt 😉.

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