Wareneingangskontrolle trotz Vertragspflicht des Lieferanten?

Wareneingang


Muss eine Wareneingangskontrolle durchgeführt werden, obwohl der Lieferant vertraglich zur 100%igen Warenausgangskontrolle verpflichtet ist?

 

Die Situation

Das Unternehmen importiert Platinen aus Asien. In der Vergangenheit war die eigene Qualitätssicherung beim Wareneingang aus Kostengründen auf Null runtergefahren worden. Nachdem sich Reklamationsfälle häuften, rudert das Unternehmen zurück und strukturiert den Wareneingang neu. Nach wie vor möchte man nur den notwendigen Aufwand betreiben, weshalb die Qualitätskontrollen möglichst zum Lieferanten verlagert werden sollen. Die von der Geschäftsführung bevorzugte Variante besteht in einem Vertrag, der den Lieferanten zur 100%igen Warenausgangskontrolle verpflichtet. Diese Kontrolle soll bei jeder Lieferung mit Nachweisen belegt werden.

 

Sicht des Qualitätsmanagements

Eine Wareneingangskontrolle ist nach wie vor durchzuführen. In der geschilderten Situation wird lediglich eine Dokumentenprüfung durchgeführt. Es gibt keine Garantie für fehlerfreie Produkte, was eigentlich vom Unternehmen gewünscht ist. Zwar wird der Lieferant vertraglich verpflichtet und liefert auch den gewünschten Nachweis. Durch Papier wird jedoch keine Produktsicherheit und Fehlerfreiheit erzeugt.

 

Lösungsansätze

Da das Unternehmen selbst möglichst wenig Aufwand betreiben möchte, um Kosten niedrig zu halten, stellt es diverse Überlegungen an. Wie wäre es…

… den Lieferanten vertraglich unter Druck zu setzen?

Dazu muss ein Unternehmen auch die entsprechende Macht gegenüber dem Lieferanten haben. Wenn der Lieferant in der machtvolleren Position ist, wird er auf den Vertragsabschluss dankend verzichten. Somit stünde das Unternehmen eher vor dem Problem einen passenden Lieferanten zu finden. Die Option kommt in diesem Fall nicht in Frage.

… den Lieferanten zu einer unabhängigen Kontrolle zu verpflichten?

Dies würde auf jeden Fall die Kosten in die Höhe treiben. Der Lieferant beauftragt einen Dienstleister in Asien mit entsprechenden Kontrollaufgaben. Dieser Dienstleister bestätigt die Durchführung mit Zertifikaten oder ähnlichem. Nach wie vor bleibt hier der Beigeschmack, dass das Unternehmen nur eine Dokumentenprüfung machen kann. Die Option kommt für das Unternehmen ebenfalls nicht in Frage, da ein Misstrauen gegenüber der Vertragserfüllung des Dienstleisters bleibt.

 

Wareneingangskontrolle mit AQL

Das Unternehmen steht vor dem Problem Reklamationsfälle zu senken und zuverlässige Produkte garantieren zu müssen. Der Wunsch, Kosten niedrig halten zu wollen, ist in dieser Aufbauphase der Qualitätssicherung im Wareneingang kontraproduktiv. „Billige“ Lösungen wie Vertragsklauseln bringen nicht die gewünschte Sicherheit, da es keine Instanz gibt, die die Einhaltung garantieren kann. Das Einschalten von Dienstleistern erhöht die Einkaufskosten, löst das Problem jedoch nicht.

Es bleibt die Entscheidung zur eigenen Wareneingangskontrolle. Mit dem Lieferanten wird ein Vertrag geschlossen, in dem ein Accepted Quality Level (AQL) festgelegt wird. Auf Basis dieser AQL wird eine Stichprobenprüfung beim Wareneingang durchgeführt. Dadurch entstehen natürlich Kosten; das Geld ist jedoch an der richtigen Stelle investiert.

 

(Foto © lichtkunst.73 | pixelio.de)

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