Ärmel hochgekrempelt und ran an die Anforderungen

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Bei allem Wirbel um die ISO 9001:2015 und ihren neuen Anforderungen rate ich sehr häufig dazu nicht sofort mit Veränderungen anzufangen. Das sorgt oft für Unverständnis: „Warum wird die ISO 9001 so sehr verändert, wenn Sie mir raten erst einmal alles so zu lassen? War das System nach den alten Forderungen doch besser?“ – Das ist ein Missverständnis.

Übergangsfrist nutzen

Das Bild hat einen gewissen Charme: Mit der Freigabe der ISO 9001:2015 am 23.09.2015 und der Veröffentlichung der DIN EN ISO 9001:2015 Ende Oktober/Anfang November stehen alle QM-Verantwortlichen parat, krempeln die Ärmel hoch und haben nichts eiligeres zu tun als „ihr“ QM-System auf neuen Stand zu bringen. In der Vergangenheit verstand man darunter das Anpassen der Dokumentation.

Ein hübsches Bild, das jedoch eher als Satire taugt. Genau das will ich nicht (und ich behaupte jetzt mal, dass die Autoren der Norm sich meiner Meinung anschließen). Es geht nicht darum, die Dokumentation auf Vordermann zu bringen und damit ins nächste Audit zu gehen.

Es gibt eine Übergangsfrist von 3 Jahren (bis September 2018), die Ihnen Zeit gibt, sich mit den Anforderungen der ISO 9001 vertraut zu machen und Lösungen zu entwickeln. Einen Wettbewerb mit Zertifikat für die schnellste Umsetzung gibt es nicht.

Prozesse stehen im Vordergrund

Der Fokus der ISO 9001:2015 ist eindeutig prozessorientiert. Deshalb sollte genau das im Unternehmen passieren: Sich auf Prozesse konzentrieren und die Kollegen ins Boot holen. Ich möchte die To-Do-Liste in diese Reihenfolge setzen:

  1. Geschäftsführung und Führungskräfte schulen: Damit Sie als QM-Verantwortliche tatsächlich an die Prozesse „ran dürfen“, müssen die Prozessverantwortlichen verstehen, warum das so ist.
  2. Kollegen schulen: Neue Anforderungen und Weiterentwicklung der alten Anforderungen – die Kollegen müssen informiert sein. Die Änderungen und Verbesserungen werden von den Mitarbeitern im Prozess umgesetzt.
  3. Lösungen entwickeln, ausprobieren und standardisieren
  4. Dokumentation anpassen: Im letzten Schritt wird die Dokumentation aktualisiert.

Die Dokumentation bildet den Abschluss. In ihr werden die Ergebnisse zusammen getragen. Diese Schritte nehmen per se mehrere Monate in Anspruch.

Ziel: Nächste Re-Zertifizierung

Wenn man jedoch nicht genug Druck macht, passiert nichts. Stimmt’s? Deshalb wird gerne mit der Dokumentation gewedelt und dass sie zum nächsten Audit aktualisiert vorliegen soll. Setzen Sie sich realistische Ziele, denn hinter den notwendigen Änderungen und Verbesserungen steckt ein Kraftakt.

Bevor Sie Termine mit dem Dart-Pfeil auf dem Kalender festmachen: Die meisten Zertifizierungsgesellschaften empfehlen eine Umstellung auf neue Norm mit der nächsten Re-Zertifizierung. Im Zweifelsfall nehmen Sie Kontakt zur Zertifizierungsgesellschaft auf.

Es geht nicht darum, ob eine Normenrevision besser ist. Ich bin sicher, dass Ihr QM-System besser wird, wenn Sie meinen Tipp mit der To-Do-Liste beherzigen.

 

Foto © Rainer Sturm | pixelio.de

2 Kommentare

  • Mehmet Uyar

    Hallo Fr.Meurer,

    Als 1. Schritt empfehlen Sie die Führungskräfte und Kollegen zu schulen, gibt es hierzu eine entsprechende Präsentationsfolie ?
    oder müssen wir Sie selber zusammenstellen.

    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
    Gruß Uyar

    • eMeurerQM

      Hallo Herr Uyar,
      unter einer Schulung für Führungskräfte verstehe ich mehr als eine Präsentationsfolie.
      Meine Foliensätze zu diesem Thema sind nicht öffentlich zugänglich, da sie immer kundenspezifisch erstellt werden. Es geht nicht darum, Textstellen der Norm zu vergleichen, sondern Auswirkungen und Interpretationsansätze darzustellen.
      Viele Grüße
      Elke Meurer

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